Walter-Hasenclever-Gesellschaft

Der Schriftstellerin  Herta Müller wurde soeben der Walter-Hasenclever-Literaturprei s in Aachen zuerkannt. Dies wurde vom Kuratorium in nichtöffentlicher Sitzung mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Das Kuratoriums setzt sich zusammen aus jeweils einer Vertretung der vier lokalen Säulen des Preises: Aachener Buchhandel, Verein der Freunde und Förderer des Einhard-Gymnasiums, Kulturdezernat der Stadt Aachen, Walter-Hasenclever-Gesellschaft; sowie einem Vertreter des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, das den Nachlaß Hasenclevers pflegt und sich als Hauptträger am Preis beteiligt. Um bei der Meinungsfindung weitere Stimmen einzubeziehen, werden jeweils zwei Personen hinzugezogen, die durch ihren Beruf ebenso mit Literatur in enger Verbindung stehen.


Herta Müller, eine der bekanntesten und renommiertesten Autorinnen Deutschlands, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Preis für ihr herausragendes literarisches Gesamtwerk, das sich in ästhetisch avancierter Form präsentiert.
Sie rettet ihren außergewöhnlichen Erfahrungsschatz vor dem Verschwinden: das Leben unter Totalitarismus und Zensur, Aufwachsen als Zugehörige einer sprachlichen Minderheit, das Neben- und Übereinanderlagern zweier Sprachen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Alle von ihr bedienten Genres erfüllt sie mit großer Präzision, selbst in ihren surreal-verspielt anmutenden Collagen folgt sie der Gedichtzeile „Gib gut acht, wie man es macht“. 

Herta  Müller wurde 1953 im deutschsprachigen  Nitzkydorf im Banat geboren. Nach ihrem Studium der deutschen und rumänischen Philologie in Temeswar arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik und im Schuldienst. Sie wurde entlassen, weil sie sich weigerte, für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten.

Ihr erstes Buch „Niederungen“ wurde 1982 nur zensiert veröffentlicht. 1984 erschien eine vollständige Fassung in Deutschland. Nach anhaltenden Repressionen, Verhören und Hausdurchsuchungen konnte sie 1987 nach Berlin übersiedeln. 

1989 bis 2004 führten sie Gastprofessuren durch Deutschland, in die Schweiz, nach England sowie in die USA.

Ihr Werk wurde bereits mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet. Herta Müller ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Der Walter-Hasenclever-Literaturpreis wird alle zwei Jahre verliehen. Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren, die sich in Form und Inhalt um die deutschsprachige Literatur verdient machen.
Bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger sind:

Elfriede Jelinek,  Emine Sevgi Özdamar, Peter Rühmkorf, George Tabori, Oskar Pastior, Marlene Streeruwitz und Friedrich C. Delius.

Veröffentlichungen von Herta Müller (Auswahl):Niederungen (1984/1993). Drückender Tango (1984). Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt (1986/1995). Barfüßiger Februar (1987). Reisende auf einem Bein (1989/1995). Der Teufel sitzt im Spiegel (1991/1994). Der Fuchs war damals schon ein Jäger (1992). Eine warme Kartoffel ist ein warmes Bett (1992). Der Wächter nimmt seinen Kamm (1993). Herztier (1994). Hunger und Seide, Essay (1995). Heute wär ich mir lieber nicht begegnet (1997). Der Fremde Blick oder das Leben ist ein Furz in der Laterne (1999, Wallstein - Hrsg. von Heinz Ludwig Arnold). Im Haarknoten wohnt eine Dame, Gedichte+Collagen (2000, Rowohlt). Der König verneigt sich und tötet, Autobiografie (2003, Hanser). Die blassen Herren mit den Mokkatassen, Text-Bild-Collagen (2005, Hanser).

Aachen, im Februar 2006

C: Walter-Hasenclever-Gesellschaft e.V. letzte Akt. 13 Aug, 2006